Heilbronner Kooperation Jäger-Förster

für eine verbesserte Wald-Wild-Beziehung

  • Karl-Heinz Lieber, der damalige Leiter des Kreisforstamts Heilbronn (im Bild hinten, Mitte) erläutert den Jagdpächtern der Hegeringe 5 und 6  den modernen Waldbau vor einem Buchenanflug im Neudenauer Wald.

    Karl-Heinz Lieber, der damalige Leiter des Kreisforstamts Heilbronn (im Bild hinten, Mitte) erläutert den Jagdpächtern der Hegeringe 5 und 6 den modernen Waldbau vor einem Buchenanflug im Neudenauer Wald.

  • Förster Ulrich Zobel erläutert den Jagdpächtern der Hegeringe 5 und 6 die Wachstumsbedingungen junger Bäume im Neudenauer Wald.

    Förster Ulrich Zobel erläutert den Jagdpächtern der Hegeringe 5 und 6 die Wachstumsbedingungen junger Bäume im Neudenauer Wald.

  • Der Gräfl. Oberforstrat Karl Walch erläutert den Jagdpächtern des örtlichen Hegerings im Privatforst des Grafen Neipperg die Ursachen des Eschensterbens im Wald.

    Der Gräfl. Oberforstrat Karl Walch erläutert den Jagdpächtern des örtlichen Hegerings im Privatforst des Grafen Neipperg die Ursachen des Eschensterbens im Wald.

  • Karl-Heinz Lieber, der damalige Leiter des Kreisforstamts Heilbronn und der Gräfl. Oberforstrat Karl Walch erläutern den Jagdpächtern des örtlichen Hegerings im Privatwald des Grafen Neipperg die Bedeutung der Bodenqualität.

    Karl-Heinz Lieber, der damalige Leiter des Kreisforstamts Heilbronn und der Gräfl. Oberforstrat Karl Walch erläutern den Jagdpächtern des örtlichen Hegerings im Privatwald des Grafen Neipperg die Bedeutung der Bodenqualität.

Erstellt am 23.10.2020

Dass die Interessen der Forstwirtschaft in Sachen Wald und Wild und die der Jägerschaft bei diesem Thema nicht immer deckungsgleich sind, ist hinreichend bekannt. Hier kam und kommt es immer wieder zu Spannungen, die die Arbeit der Forstwirtschaft einerseits und die Jagdausübung andererseits belasten und erschweren können. Ein gutes Miteinander, gute Kenntnisse über die Bedürfnisse, Schwierigkeiten und Notwendigkeiten des jeweils anderen führen zu mehr Verständnis und entspannen den Umgang miteinander. Um hier eine Verbesserung herbeizuführen, haben das Kreisforstamt Heilbronn unter der damaligen Leitung von Forstdirektor Karl-Heinz Lieber, des damaligen Kreisjägermeisters Paul Röckel und zwei Vorstandsmitglieder der KJV Heilbronn (der Gräfliche Oberforstrat Karl Walch, Forstbetriebsleiter des priv. Waldbesitzes Grafen Neipperg und Schatzmeister Joachim Müller) im Frühjahr 2013 Vor-Ort-Workshops mit Jagdpächtern und Förstern im Landkreis Heilbronn erarbeitet, die in den Jahren 2013 und 2014 im Rahmen von sechs Veranstaltungen vor Ort mit den Jagdpächtern von neun Hegeringen und den ortsansässigen Förstern durchgeführt wurden.

Der Klimawandel führt auch in der Waldwirtschaft zu notwendigen Anpassungen. Dies ist notwendig, denn man will dort den notwendigen wirtschaftlichen Erfolg gewährleisten. Das Kreisforstamt Heilbronn hatte deshalb zusammen mit der Jägervereinigung Heilbronn ein Leitbild mit waldbaulich-jagdlichen Zielen erarbeitet. Das Leitbild wurde der Jägerschaft in der Jahreshauptversammlung der Jägervereinigung Heilbronn im März 2013 vorgestellt. Inhaltlich ging es in den Workshops um die Wald-Wild-Beziehung und die damit verbundenen Ziele und Wege der Jagdausübung, speziell im Landkreis Heilbronn. Dabei ging es natürlich auch um die Ansprüche des Forstes an die künftige Jagdausübung im Zusammenhang mit den amtlichen Verbissgutachten an jungen Waldbäumen und der RobA-Regelung (Rehwildabschuss ohne behördlichen Abschussplan), die im Jahr 2016 in Kraft getreten ist.

Die Fichte war auch in der Region Heilbronn bislang eine der dominierenden Nadelbaumarten. Klimabedingt geht ihr Anteil ständig zurück. Klimastabilere Baumarten wie beispielsweise die Eiche und die Tanne werden zunehmen, bedingen aber waldfreundlich geregelte Schalenwildbestände. Hier ist deshalb, mehr denn je, der Jäger als „Dienstleister“ zur Erreichung der ökologischen und ökonomischen Ziele der Waldwirtschaft gefragt. Diese Dienstleistungsfunktion muss künftig auch im Gegenzug bei der Pachtpreisgestaltung ihren Niederschlag finden. Weitere Anreizmodelle waren schon damals in der Diskussion. Grundlage für die forstliche Zielvorgabe ist das jeweilige forstliche Gutachten.

Zur Jagdausübung selbst: Die Abschusshöhe beim Rehwild als Zielvorgabe orientiert sich am jeweiligen Zustand der Vegetation. Zu den Jagdmethoden im Landkreis Heilbronn geben die Jägervereinigung Kreis Heilbronn e. V. und das Kreisforstamt Heilbronn – ohne Nachdruck - eine gemeinsame Empfehlung ab, die als Orientierung zur Erreichung der jagdlichen Ziele dienen soll. Letztlich muss das Ergebnis stimmen! Neben der klassischen Ansitzjagd werden selbstverständlich künftig auch weiterhin gut organisierte Bewegungsjagden im Wald durchgeführt. Auch die Jagd an der Kirrung wird weiterhin als probates Mittel empfohlen und die Fütterung von Rehwild bleibt gesetzeskonform auf erklärte Notzeiten beschränkt. Die Schwarzwildbejagung in Wald und Feld ist weiterhin eine Dienstleistungsaufgabe der Jäger. Die Fütterung von Schwarzwild wird auf Ablenkungsfütterungen im Rahmen eines behördlich genehmigten Fütterungskonzeptes beschränkt. In gut organisierten Drückjagden mit dem Einsatz von geeigneten und entsprechend geprüften Jagdgebrauchshunden und qualifizierten Jägern (Schießnachweis und fähig schnell und sicher anzusprechen) wird eine besonders effektive Jagdmethode gesehen.

Die Pilotveranstaltung, zu der alle Pächter und Förster eingeladen waren, fand bereits am 12. April 2013 statt. Die halbtägigen Vor-Ort-Workshops. fanden am 17. Mai und 12. Juli 2013 sowie am 11. April, 23. Mai, 16. Juni und 18. Juli 2014 statt. Die immer freitags stattfindenden Workshops begannen jeweils um 14 Uhr mit einem Vortragsteil von Joachim Müller über die historische Entwicklung, Ziele und Wege der Jagdausübung im Landkreis Heilbronn. Dem schlossen sich ein rund 90 Minuten dauernder Fachvortrag über das Thema Wald-Wild-Beziehung und den Wald im Klimawandel an. Die Waldbilder vor Ort wurden zwischen den Hegeringleitern und den örtlichen Förstern gemeinsam ausgewählt. Praktische Übungen im Wald gaben die Gelegenheit, die in der Theorie vorgestellten Punkte vor Ort zu begutachten und zu diskutieren. Der gesellige Teil am Ende der Veranstaltung in Form eines zünftigen Vespers, zu dem die Kreisjägervereinigung jeweils eingeladen hatte, kam nicht zu kurz.

Ziel des Workshops und Kooperationsmodell „Wald & Wild“ war es, das gemeinsame Verständnis für die jeweiligen Aufgaben und Interessen der Heilbronner Jäger und Förster zu verbessern. Kreisjägermeister Paul Röckel und Forstdirektor Karl-Heinz Lieber sahen mit Hilfe des Workshops dafür eine sehr gute Möglichkeit. Heute kann man sagen, dass diese Veranstaltungen sich sehr bewährt haben. Jäger und Förster kennen und respektieren sich gegenseitig und zeigen Interesse für die Probleme und Ziele des jeweils anderen.

18. Oktober 2020

Autor:

Hans Peter Schmitt

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