HR1 Seminar Rückblick „Zerwirkseminar 10.8.2019“

Von Tomahawk Steaks und Pfefferbeißern

Erstellt am 12.08.2019

Nach dem Erlegen eines Wildtieres, sei es nun Wildschwein, Reh oder Hirsch, beginnt für viele Waidmänner die eigentliche Arbeit, die für manchen Jäger auch eine willkommene Abwechslung zum Berufsalltag bietet. Stellt doch die eigenhändige, handwerkliche Veredelung unseres Wildes zu einem gesunden, nachhaltigen und besonders schmackhaften Lebensmittel eine besondere Wertschätzung des Jägers gegenüber seiner Beute dar. Erst wer einmal selbst ein Tier erlegt, dieses dann zu Bratenstücken und Steaks verarbeitet und am Ende selbst zubereitet hat kann verstehen, was Jagd wirklich bedeutet.

Nachdem das Wild fachgerecht aufgebrochen und in die Kühlung verbracht wurde geht es nun daran, das Tier zu Wildbret weiterzuverarbeiten. Wie man vom erlegten Beutetier zum Bratenstück oder Steak kommt war Gegenstand des Zerwirkseminars des Hegerings 1 der KJV Heilbronn am 10. August 2019. Das Zerwirken von Wild um Wildbret zu gewinnen wird bei der Jägerausbildung nicht vermittelt und so ist ein Kurs über das fachgerechte Zerlegen von Wildbret notwendig und sinnvoll. Jens Lederer und Martin Schäffner organisierten deshalb einen Lehrgangsnachmittag an welchem dem interessierten Waidmann genau diese Kenntnisse vermittelt werden sollten. Kaum verwunderlich, dass dieses Kursangebot sehr schnell ausgebucht war. Mit Sascha Erb konnte ein erfahrener Metzger für das Seminar gewonnen werden. Jens Lederer begrüßte im Namen der Hegeringleitung am 10. August 8 Teilnehmer in der Wildkammer von Martin Schäffner. Nach einer kurzen theoretischen Einführung durch Martin Schäffner bei der es um räumliche Voraussetzungen, Arbeitsmittel und allgemeines Hintergrundwissen ging, wurden an zwei Stationen das aus der Decke schlagen bzw. Abschwarten von Reh und Wildschwein gezeigt und anschließend die richtige Technik beim Zerwirken in einzelne Bratenstücke demonstriert. Selbst die erfahrenen Waidmänner waren überrascht, wie schnell und einfach man ein Stück Rehwild mit der richtigen Technik aus der Decke schlagen kann. Besonders beeindruckt waren die Jäger als Martin Schäffner mit dem effektiven Einsatz von gefüllten Wassereimern vorführte, wie schnell auch eine Sau von ihrer Schwarte befreit ist.

Nach dem groben Zerwirken in 5 Teilestücke übernahm Metzger Sascha Erb und erläuterte neben Schnittführung, Technik und Ausrüstung auch hygienische Aspekte der Fleischverarbeitung. Großen Wert wurde auch auf die persönliche Sicherheit z.B. durch die Verwendung von Stechschutzhandschuhen gelegt. Erb zeigte in weiteren Schritten, welch köstliche Leckerbissen aus sonst weniger beachteten Stücken des Wildtiers gewonnen werden können. Haben Sie schon einmal etwas von Tomahawk-Steaks vom Reh gehört? Oder wussten Sie, dass sich aus der Oberschale des Schwarzwilds hervorragende Rouladen herstellen lassen? Feine Grillsteaks aus dem Wildschweinrücken gehörten ebenso wie Rehkotlettes und Rollbraten zum Portfolio und machen klar: Wildbret hat auch außerhalb der „Saison“ für Küche und Grill viel zu bieten.

Die vielen nützlichen und Tricks und Kniffe brachten so manchen Teilnehmer zum Staunen und beide Dozenten versorgten die Jäger in vier kurzweiligen Stunden mit praktischen Hinweisen, Tipps und jede Menge Anregungen für eine genussvolle Weiterverarbeitung und die Vermarktung von Wildbret. Abgerundet wurde der Nachmittag durch Hintergrundwissen zur Preisgestaltung und den Verkauf an Gastronomie und Endverbraucher. Das ausgebuchte Seminar zeigt, welch hohen Bedarf die Jägerschaft an Weiterbildungen zum Thema Wildarbeitung hat.

Nicht zuletzt auch wegen des tollen Feedbacks der Seminarteilnehmer befinden sich weitere Veranstaltungen bereits in Planung.

Autor: Jens Lederer

Erstellt am 12.08.2019
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